Es gibt Empfehlungen, die mehr schaden als nützen: “He left us with enthusiasm” oder “You will be lucky to have him to work for you” gehören zweifellos dazu – besonders wenn sie als gutgemeinte Abschiedsformeln am Ende eines englischen Arbeitszeugnisses stehen. Im besten Fall wird der potentielle neue Arbeitgeber über solche allzu direkten Übersetzungen deutscher Zeugnisformeln schmunzeln, im schlechtesten Fall kommt er zur Überzeugung, der Bewerber konnte es kaum erwarten, den alten Arbeitgeber zu verlassen. Zu einer Einstellung werden solche Empfehlungen wohl kaum führen.

Falls Sie auch schon Erfahrungen mit ironisch klingenden, amerikanischen Arbeitszeugnissen gemacht haben, ein solches selber erhalten haben oder als Aussteller eines englischen “Letter of Reference” tätig sind, wird dieser Post sehr interessant für Sie sein. Lesen Sie den folgenden Artikel über die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Arbeitszeugnissen und möglichen Stolperfallen.

Amerikanische Arbeitszeugnisse: Empfehlen statt Bewerben!

von Gunnar Szymaniak

Wer eine internationale Karriere anstrebt und Bewerbungen ins Ausland schickt, braucht vorzeigbare Referenzen und Arbeitszeugnisse auf Englisch. Doch wie sehen diese aus? Im angloamerikanischen Raum gleichen Zeugnisse meist eher Empfehlungsschreiben als Beurteilungen.

Englisch ist die Wirtschaftssprache Nummer eins. Daher sind Arbeitszeugnisse in englischer Sprache notwendig für alle, die eine internationale Karriere planen. Deutsche Zeugnisse helfen bei Bewerbungen im Ausland nicht weiter: Ein Personalverantwortlicher in Toronto oder London spricht schließlich meist nicht Deutsch. Auch stilistisch und sprachlich unterscheiden sich Empfehlungsschreiben in den USA, Kanada und Großbritannien von deutschen Arbeitszeugnissen.

Andere Länder, andere Zeugnisse

Ein deutsches Zeugnis ist stark normiert, rechtlich genau geregelt und sogar einklagbar. Es erfasst die Arbeit und die Leistung eines Arbeitnehmers umfassend und detailliert. Deutsche Praktikanten und Arbeitnehmer erwarten das oft auch von englischsprachigen Zeugnissen. Ein englisches oder US-amerikanisches Arbeitszeugnis ist aber weder rechtlich vorgeschrieben noch formell wie ein deutsches.

Ein Beispiel: In Deutschland lautet die Gesamtbewertung für ein sehr gutes Zeugnis immer: “Er/sie arbeitete stets zu unserer vollsten Zufriedenheit”. Zwar kann man diese Formel problemlos mit “He always worked to our fullest/utmost satisfaction” übersetzten. Allerdings bevorzugt man im Englischen meist andere Beschreibungen (siehe unten). Grundsätzlich hat ein Arbeitszeugnis im Englischen eher den Charakter eines Empfehlungsschreibens. Es heißt dementsprechend auch “letter of recommendation”, “reference” oder auch “testimonial”. Es gibt auch noch die so genannte “character reference”, die vor allem auf die persönlichen Qualitäten eines Arbeitnehmers eingeht. Bei allen Zeugnisarten gilt jedoch immer: Der Angestellte muss wegen eines Zeugnisses aktiv auf den Arbeitgeber zugehen und ihn um ein solches bitten. Ein Recht auf ein Arbeitszeugnis hat er nicht.

Zeugnis mit Landeskenntnis

Vor jeder Bewerbung sollte man die Bewerbungsgepflogenheiten in seinem Zielland genau prüfen. In den USA und Großbritannien reicht es für eine Bewerbung meist aus, wenn man einige ausgewählte sehr gute Referenzen beilegt. Üblicherweise gibt man zu den Referenzschreiben auch einige Personen mit Position und Telefonnummer an. Dann kann der potenzielle Arbeitgeber direkt bei ihnen nachfragen. Doch Vorsicht: Manche tun das auch! Deswegen sollte man Referenzpersonen nicht wahllos angeben und diese auch vorher informieren. Nach Möglichkeit sollten sie englisch sprechen. Wer keine Referenzen angeben möchte, kann alternativ am Ende seiner Bewerbung schreiben “referees/references available upon request”. Dann wird sich das Unternehmen bei Interesse vorher beim Bewerber melden.

Aufbau und Sprache eines englischen Arbeitszeugnisses: Überschrift und Anfang

Während über deutschen Zeugnissen “Arbeitszeugnis für xy” prangt, steht im englischen meist nur ein bescheidenes “To whom it may concern” als Überschrift. Der Text eines “letter of recommendation” beginnt häufig mit “Please accept my recommendation of xy.” Darauf folgen dann die Anstellungsdauer, die frühere Position und eine Aufgabenbeschreibung.

Inhalt

Erwähnung finden sollten bestenfalls immer folgende Kriterien:

  • Ability (Fachkompetenz)
  • Performance (Leistung)
  • Honesty (Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit)
  • Conduct (Führungskompetenz, wenn relevant)
  • Timekeeping, attendance (Pünktlichkeit und Präsenz)

Bewertungen

Übliche positive Adjektive für eine Arbeitsleistung sind unter anderem: exceptional, outstanding, superior, unique. Bei den Charakterbeschreibungen gelten als besonders positiv: dedicated, enthusiastic, smart, model student/employee.

Beispiele für sehr gute Gesamtbewertungen:

  • “She/he carried out every aspect of her work to the highest possible standard.”
  • “His pleasant manner made him popular with the rest of the staff” (im Gegensatz zum Deutschen ist das nicht negativ gemeint!)
  • “I can give him the highest possible recommendation to any future employer.”
  • “He/She was rated highly by us.”
  • “He/She was a model student/employee.”

Schlussempfehlung

Wichtig am Schluss ist der Hinweis, dass der Zeugnisschreiber den Ex-Mitarbeiter explizit empfiehlt und darauf hinweist, dass er ihn jederzeit wieder einstellen würde. Beispiel:
“I have no hesitation in recommending him to any future employer. We would be pleased to reemploy xy.”

Auch die Signalisierung von Auskunftsbereitschaft des Referenzverfassers ist wichtig:
“Should you wish to speak to me personally about XY, please feel free to contact me.”

Eindeutig Zweideutiges

Allerdings gibt es einige Ausdrücke, die zweideutig verstanden werden können und deshalb besser nicht in der “reference” auftauchen sollten.

  • “You will be lucky to get him to work for you”.
  • “He left us with enthusiasm”.
  • “She was attentive to detail (pedantisch), independent (halsstarrig), flexible (unentschlossen).

Sollten derart zweideutige Formulierungen im Zeugnis stehen, muss man allerdings nicht gleich Böses dahinter vermuten. Meist geschieht das ohne Absicht. Denn Geheimcodes wie im Deutschen kennen englische Arbeitszeugnisse grundsätzlich nicht. In so einem Fall einfach freundlich um eine Umformulierung bitten.