Kaum ein Thema ist so präsent und gleichzeitig brisant wie das Thema “Feedback”. Wer in der internationalen Geschäftswelt erfolgreich sein will, muss neben seinem professionellen Wissen verstärkt über interkulturelle Kompetenz verfügen. Diese ist besonders wichtig, um in brisanten Bereichen wie der Feedback-Kultur angemessen agieren zu können.

Obwohl die deutsche und amerikanische Geschäftswelt sich auf den ersten Blick recht ähnlich sehen, gibt es zahlreiche Unterschiede, die unter anderem die Art und Weise des “Feedback geben” beeinflussen. Jedoch ist dies ein Thema, welches häufig unterschätzt wird. In der Trat verzeichnet jedes Land seine eigene Mentalität und Herangehensweise zum Thema Feedback und Kritik.

Besser Arbeiten Dank Kritik: Jedes Feedback bringt mich weiter

von Simone Janson

Konstruktive Kritik kann helfen, die eigene Arbeitsweise zu verbessern. Dennoch ist sie gerade im perfektionistischen Deutschland – und in der ähnlich gelagerten Schweiz – wenig beliebt. In den USA sieht das anders aus: Dort herrscht eine erfolgreiche Feedback-Kultur. Wie wird man auch hierzulande durch Kritik produktiver?

Die USA: Meister im Feedback-Geben

Mir ist in Texas – dessen Hauptstadt Austin nicht umsonst auch als Silicon Hills bezeichnet wird – aufgefallen, dass es dort gang und gäbe ist, von Kunden Feedback zu verlangen. Es wird sogar aktiv nachgefragt. Selbst in Restaurants soll man Feedbackbögen ausfüllen – etwas, das in Deutschland und der Schweiz immer noch Seltenheitswert hat.

Ich denke da nur an die vielen Weiterbildungsanbieter, die aus rein formalen Gründen Rückmeldebögen ausfüllen lassen, die von irgendwelchen Zertifizierungs-Regeln vorgeschrieben sind. Feedback als notwendiges Übel sozusagen. Und entsprechend panisch ist die Reaktion, wenn dann wirklich mal fundierte Kritik geübt wird.

Innovationspotential von Kritik gezielt nutzen

In den USA ist die Kritik hingegen normaler Bestandteil der Kultur. Entsprechend locker wird damit umgegangen. Erfolgreiche Unternehmen wie Google schöpfen daraus sogar ihr Innovationspotential. Bei dem Internet-Riesen, und nicht nur da, werden neue Produkte als Beta-Produkte gelauncht und dann von den Kunden umfassend beurteilt. Erst dadurch entstehen jene innovativen Ideen, die Google zu einem der erfolgreichsten Unternehmen unserer Zeit machen.

In Deutschland tut man sich leider oft schwer damit, Kritik zu akzeptieren. Denn die herrschende Perfektionismus-Kultur erlaubt nun mal keine Fehler. Dementsprechend schwierig gestaltet sich für den Einzelnen der Umgang mit Feedback: Sowohl beim Feedback-Geber als auch beim Feedback-Nehmer herrscht oft Unsicherheit, wie er damit umzugehen hat. So berichtet Führungskräfte-Coach Sabine Lanius in einem Artikel: «Ich treffe immer wieder Führungskräfte, die sich beim Feedback Geben unwohl fühlen …und immer wieder Mitarbeiter, die fast schon Angst vor Feedback haben.»

5 Tipps für richtige Kritik

Was kann man tun, um die Angst vor der Kritik abzubauen? Feedback richtig kommunizieren ist die Antwort. Und richtig reagieren. Denn dann ist Feedback kein Problem, sondern macht die Arbeit produktiver.

Vermeide Beurteilungen und Bewertungen: Erkläre detailliert, was Du meinst und worauf Du Dich genau beziehst – dann versteht der andere besser, was Dein Anliegen ist und fühlt sich weniger kritisiert. Ideal ist, wenn du auch gleich eine Lösung anbietest, z.B.: «Die Ergebnisse waren diesen Monat nicht ideal. Wir könnten XY tun, um die Produktivität zu verbessern.»

Typische Fehler: Oft genug kommt Feedback nicht wie gewünscht an, selbst wenn es gut gemeint ist. Typische Fehler beim Feedback-Geben sind z.B. zu indirektes Feedback oder aufgestaute Kritik, die sich plötzlich entlädt. Im ersten Fall weiß der Kritisierte nicht, was er tun soll; im zweiten Fall ist er schlicht überfordert.

Lob und Kritik nicht vermischen: Viele Menschen versuchen, die Wucht der Kritik abzumildern, indem sie ihr ein Lob voranstellen. Das allerdings ist ein Problem: Was hängen bleibt, ist vor allem das «aber» – die Kritik entwertet sozusagen das Lob.

Richtig auf Kritik reagieren: Wer kritisiert wird, muss die Gelegenheit haben, darauf zu reagieren. Wenn Du einen Kritikpunkt nicht verstehst, frag nach. Zum Beispiel auch nach alternativen Lösungsvorschlägen. Nimm dann zur Kritik Stellung, aber ohne Dich zu rechtfertigen. Vermeide die in solchen Fällen so typischen «Ja… aber»-Sätze. Stattdessen: Aufzeigen, was Du in Zukunft besser machen willst.

Auf unsachliche Kritik reagieren: Nicht jede Kritik ist gerechtfertigt, oder aber sie wird auf eine unkonstruktive Art geäußert. Besonders gemein sind Fragen, die gezielt auf eine negative Aussage folgen. «Du bist mit dieser Aufgabe offenbar überfordert. Welche Projekte hast Du für das nächste Quartal geplant?» Meist beantwortet man dann nur die Frage und lässt die vorher getroffene Aussage unwidersprochen stehen. Damit weist Du aber die negative Beurteilung nicht zurück. Besser ist in solchen Fällen, sachlich auf die Aussage einzugehen und diese mit Fakten zu widerlegen: «Wie die Zahlen belegen, bin ich mit meiner Arbeit keineswegs überfordert, sondern konnte noch zusätzliche Gewinne erzielen.» Dann erst beantwortest Du die Frage: «Aufgrund dieser Erfolge plane ich für das kommende Quartal…»