France and Germany puzzles from flags, relation concept. 3D rendering

Für die amerikanische Wirtschaft bleibt Deutschland der attraktivste Standort in Europa. Zu den Gründen, warum hier weiter investiert wird, zählt nicht zuletzt die hohe Qualität der deutschen Arbeitskräfte.

Selbst im Krisenjahr 2009 büßte Deutschland seine Spitzenposition nicht ein. Sie wurde im Gegenteil sogar noch ausgebaut, vor allem gegenüber osteuropäischen Staaten, die sich seit dem Fall der Mauer als Standorte großer Beliebtheit unter US-Firmen erfreuen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting und der Amerikanischen Handelskammer. Befragt wurden rund 100 Firmen mit einem Gesamtumsatz von etwa 150 Milliarden Euro, die zusammen gut 350.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen haben. Das jährlich erhobene “Business Barometer” analysiert die Zufriedenheit von US-Unternehmen mit dem Standort Deutschland. Drei Viertel der 50 umsatzstärksten US-Unternehmen nahmen an der Befragung teil.

Die Krise geht nicht spurlos an den amerikanischen Investoren vorüber. 53 Prozent bilanzieren Umsatzeinbußen. Nahezu jedes zweite Unternehmen reduzierte im Untersuchungszeitraum die Belegschaft. 45 Prozent gelang es, durch Kurzarbeit die Folgen der Krise abzufedern. Ebenso viele Firmen hielten trotz widriger Bedingungen an ihren langfristig ausgelegten Investitionszusagen fest.

“Neben der hohen Prozess- und Produktqualität schätzen hier ansässige US-Unternehmen die hohe Qualität der Mitarbeiter”, sagt Christian Veith, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Boston Consulting. Amerikanische Unternehmen wollen sich laut Fred Irwin, Präsident der Amerikanischen Handelskammer, langfristig in Deutschland engagieren. Wie die Untersuchung zeigt, sind die Kriseneffekte in Deutschland deutlich geringer als im restlichen Europa. Vor allem die von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturpakete würden dazu beitragen.

Aktuell blicken die meisten Firmen wieder optimistisch in die Zukunft. Knapp 60 Prozent erwarten, dass sich die ökonomischen Auswirkungen der Krise weiter abschwächen. Drei von vier Unternehmen rechnen mit anziehenden Umsätzen, jedes zweite will wieder mehr investieren und die Mitarbeiterzahl zumindest nicht reduzieren. Prinzipiell wollen US-Firmen dem deutschen Standort langfristig die Treue halten. Dafür erwarten sie vom Staat neben einer aktiven Industriepolitik und gezielter Förderung des Wirtschaftswachstums weitere Anstrengungen bei der Ausbildung von Nachwuchskräften. Die Deregulierung des Arbeitsmarktes bleibt für die Firmen aus Übersee die dringlichste wirtschaftspolitische Aufgabe.

Von Max Leonberg