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Die größten Unternehmen der USA waren bislang eher nicht für Nachhaltigkeit und Diversität bekannt. Geht es nach einigen Topmanagern, soll sich das ändern.

Sie wollen die Unternehmenskultur in den USA retten: 13 der einflussreichsten und wohlhabendsten Konzernchefs haben ein Papier mit Prinzipien veröffentlicht, mit denen das Wirtschaftsklima verbessert werden soll. Nach einjährigen Beratungen hat die von der Großbank JPMorgan angeführte Allianz US-amerikanischer Firmen und Investoren Richtlinien zu guter Unternehmensführung unter dem Titel “Commonsense Corporate Governance Principles” vorgestellt.

Die Topmanager wollen in Zukunft unter anderem die Finanzberichterstattung von Konzernen langfristiger ausrichten und sprechen sich deswegen gegen die bisher geforderten vierteljährlichen Gewinnprognosen aus. Immer nur das Erreichen kurzfristiger Ziele in den Vordergrund zu stellen, sei oft kontraproduktiv für Unternehmenserfolg in längerer Hinsicht, heißt es dazu in dem Papier.

Unternehmen sollten sich nicht verpflichtet fühlen, alle drei Monate Prognosen abzugeben – besonders, wenn das den Aktionären keine Vorteile verschaffe. Die Konzernchefs verfolgen zwei Ziele: die Berichterstattung am Finanzmarkt zu entschleunigen und mehr Transparenz für die Anleger durch einen angestrebten gemeinsamen Bilanzierungsstandard zu erreichen.

Dafür haben die Topmanager noch weitere Ideen: Firmengremien sollen etwa in Zukunft in Bezug auf Erfahrungen oder Herkunft der Mitglieder diverser zusammengesetzt sein – und sich unabhängig vom Firmenchef treffen dürfen.

Zu den Initiatoren zählen neben JPMorgan-Chef Jamie Dimon der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, Larry Fink, und Jeff Immelt, Chef des Industriekonzerns General Electric. Mit dabei ist auch der bekannte Investor Warren Buffett. In einem Interview, das er, einige Stunden nachdem das Papier veröffentlicht wurde, mit CNBC führte, warnte er vor den Gefahren des Missbrauchs von Unternehmensführung. “Es gibt immer Versuche, sich ein paar Extra-Pennys dazuzuverdienen”, sagte Warren.

Insgesamt beteiligten sich 13 Größen der US-Wirtschaft an der Entwicklung der unverbindlichen Richtlinien, die in verschiedenen amerikanischen Zeitungen veröffentlicht wurden. Der Vorstoß der Topmanager wird in den US-amerikanischen Medien auch kritisch diskutiert. Scheinheiligkeit wird etwa Jamie Dimon vorgeworfen, der gleichzeitig den Vorstandsvorsitz und die Geschäftsführung von JPMorgan innehat. Er habe jahrelang dafür gekämpft, die komplette Kontrolle des Unternehmens an sich zu ziehen. Das widerspräche zentralen Forderungen in dem Papier.

In Deutschland hat die Frankfurter Wertpapierbörse die Berichterstattung im deutschen Prime Standard, dem höchsten Transparenzlevel für börsenorientierte Unternehmen des regulierten Marktes, bereits vereinfacht. Seit Anfang dieses Jahres müssen Unternehmen, die in den Börsenindizes Dax, MDax, TecDax oder SDax gelistet sind, für das erste und dritte Quartal nur noch eine Mitteilung in Form einer beschreibenden Darstellung veröffentlichen.

Sowohl Bilanz als auch Gewinn- und Verlustrechnung sind nun kein Muss mehr. Die Unternehmen können jedoch freiwillig Finanzdaten liefern. Firmen im privatrechtlichen Marktbereich General Standard, für den ohnehin weniger strenge Veröffentlichungspflichten gelten, müssen keinerlei Quartalsmitteilung vorlegen.

Zeit Online, 21.7.2016