BMW und die USA – das ist eine große Erfolgsgeschichte. In keinem Land verkaufen die Münchener so viele Wagen. Inzwischen sind sie sogar zum größten Exporteur von in Nordamerika hergestellten Autos geworden. „Die USA sind unsere zweite Heimat“, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer nicht ohne Stolz in der vergangenen Woche bei der BMW-Hauptversammlung. Fast eine Milliarde Dollar will er in das Hauptwerk in South Carolina investieren.

Nicht nur für die deutschen Autobauer, auch für die Großen der Chemie-, Pharma- und Maschinenbaubranche wird Amerika als Absatzmarkt und Produktionsort wichtiger: Das zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture unter deutschen Konzernen, die sich in den USA mit Töchtern engagieren. Danach erwarten zwei Drittel der rund 120 befragten Manager, dass der US-Markt für die eigene Firma an Bedeutung gewinnen wird.

Die Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, wurde im Vorfeld der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz „Global Business Dialogue“ erarbeitet, die heute in Berlin stattfindet. Sorgen um die deutschen Firmen in den USA müssen sich die Teilnehmer nicht machen: „Die meisten sind eindeutig auf Expansionskurs“, sagt Nicola Michels von der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York.

Darauf deuten auch die Ergebnisse von Accenture: Mehr als die Hälfte der Befragten will bald zusätzliche Stellen schaffen, Stellenstreichungen plant dagegen nur jede zwanzigste deutsche Dependance – ein Trend, der sich trotz der schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt schon länger abzeichnet: Nach Informationen der Handelskammern beschäftigten die größten 50 deutschen US-Töchter im vergangenen Jahr 461.000 Menschen – acht Prozent mehr als 2010. Auch die Umsätze sind ähnlich stark gestiegen – auf erstmals mehr als 300 Milliarden Dollar. Für 2012 rechnen 86 Prozent mit höheren Einnahmen.

Als Hauptgrund für ihr Engagement in den USA sehen die von Accenture befragten Unternehmen die große und nach dem Ende der Konjunkturdelle bald wachsende Nachfrage der Konsumenten. Davon profitieren zurzeit auch die deutschen Produzenten im Inland: Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind die deutschen Ausfuhren in die USA zu Jahresbeginn um mehr als 21 Prozent gestiegen.

Längst nicht so rosig sehen die befragten Konzerne dagegen ihre Chancen auf den europäischen Märkten: Rund zwei Drittel sind der Meinung, dass die USA für das eigene Geschäft im Vergleich zu Europa künftig an Bedeutung gewinnen werden. Umgekehrt ist es allerdings beim Vergleich der USA mit China: Hier glauben ebenfalls zwei Drittel, dass sich das eigene China-Engagement stärker entwickeln wird als das in Nordamerika.

Hans Christian Müller-Dröge, Handelsblatt