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Diese Zahlen sollte sich Präsident Trump genauer anschauen: In der Rangliste der wichtigsten US-Handelspartner taucht jene Nation, an deren Grenze er “eine Mauer bauen” will, auf Platz drei auf. Auch für Deutschland geht es dabei um viel Geld.

Kann sich eine der weltgrößten Wirtschaftsmächte eine solche Politik wirklich leisten? Gleich in den ersten Tagen nach seinem Amtsantritt macht sich der neue US-Präsident Donald Trump daran, die Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten mit weitreichenden Entscheidungen in eine neue Richtung zu drücken.

Per Erlass legte der Milliardär die Axt an das Nafta-Abkommen an, das den Freihandel unter anderem mit Mexiko und Kanada regelt. Trump will die Verträge neu aushandeln und damit verloren gegangene Arbeitsplätze in die USA zurückholen.

Zugleich kündigte er den Ausstieg aus dem Megaprojekt einer transpazifischen Freihandelszone TPP an. In jahrelangen Verhandlungen hatte sein Vorgänger Barack Obama versucht, durch gemeinsame Handelsstandards den wachsenden Einfluss der Chinesen einzudämmen und Industrienationen wie Japan, Südkorea oder Australien wirtschaftlich enger an die USA zu binden.

Und Trump? Konzernen mit Produktionsstätten außerhalb der USA droht er massive Einfuhrzölle an. Mit diesem Rundumschlag legt der neue Präsident Hand an die Beziehungen zu den wichtigsten Handelspartnern der USA. Betroffen wären davon nicht nur japanische Autobauer wie Toyota, sondern auch Volkswagen in Deutschland – ganz zu schweigen von den Unternehmen in China, die die Amerikaner bisher mit Massen günstig produzierter Produkte aller Art versorgen.

Auch die Schwergewichte der US-Industrie dürften den neuen Politikstil zu spüren bekommen: US-Unternehmen wie General Motors oder Ford nutzen die verschiedenen Standortvorteile im Nachbarland Mexiko. Tatsächlich ist das Schwellenland im Süden der USA den aktuellen Daten zufolge der drittwichtigste Handelspartner nach China und Kanada. Zahlreiche Zulieferer betreiben in dem Niedriglohnland jenseits des Rio Grande große Werke, um die Nachfrage im US-Markt zu bedienen.

“America First” ein Fehler?

Sollte Präsident Trump seine Ankündigungen wahrmachen, dürften sich daraus erhebliche Auswirkungen für den grenzüberschreitenden Handel ergeben. In seiner Antrittsrede hatte er als Leitlinie das Motto “Amerika zuerst!” ausgerufen. Doch die Einführung von Schutzzöllen könnten bei den US-Partnern im Ausland scharfe Reaktionen auslösen, befürchten Experten. Etwaige Gegenmaßnahmen könnten den USA ernsthaften Schaden zufügen. Mit hemdsärmeligen Aktionen könnte Trump, so meinen Ökonomen, die Welt in einen Handelskrieg stürzen.

Wie stark die Vereinigten Staaten auf den Warenverkehr bei Importen und Exporten angewiesen sind, zeigt ein Blick in die Handelsstatistik: Die Auflistung der offiziellen Zahlen liest sich wie eine Kurzanleitung, auf welche Nationen der neue US-Präsident eigentlich besonders Rücksicht nehmen müsste, wenn er den Geschäften der US-Unternehmen – und damit den heimischen Arbeitsplätzen – keinen Schaden zufügen will.

Im vergangenen Jahr haben US-Unternehmen bis November Waren im Wert von knapp 271 Milliarden Dollar aus Mexiko importiert. Die US-Wirtschaft ist mit dem Schwellenland im Süden eng verflochten: Im gleichen Zeitraum exportierten die USA Waren im Wert von rund 212 Milliarden Dollar an mexikanische Abnehmer.

Günstige Waren für US Bürger

Aus China bezogen die USA im vergangenen Jahr bis November sogar Waren im Wert von 423,4 Milliarden Dollar – viermal mehr als US-Unternehmen an chinesische Abnehmer exportierten. China alleine steht damit für fast 16 Prozent des gesamten US-Außenhandels. Die Volksrepublik ist längst der wichtigste Handelspartner der USA. Gleich dahinter folgt in der Rangliste Kanada. Die USA teilen sich mit dem rohstoffreichen Land im Norden eine mehrere Tausend Kilometer Landgrenze, was den Handel erleichtert.

Hinter Mexiko auf Platz 3 kommen Japan (Platz 4) und Deutschland (Platz 5) zusammen auf knapp 10 Prozent des US-Außenhandels. Wie in den meisten anderen Fällen auch übersteigen die US-Importe die Exporte deutlich. Im Fall Deutschlands belaufen sich die US-Exporte auf die stolze, aber vergleichsweise überschaubare Summe von bislang 45 Milliarden Dollar. Im gleichen Zeitraum belieferten deutsche Unternehmen US-Kunden mit Waren im Wert von 104,6 Milliarden Dollar.

Wie hart der US-Außenhandel von der Trump-Politik getroffen wird, wird sich frühestens in einigen Monaten erkennen lassen – wenn Donald Trump an seinem kompromisslosen Kurs tatsächlich festhält.

Von Martin Morcinek

NTV , 25.1.2017