Häufig hören wir in Gesprächen mit unseren deutschen Kunden den Unmut über die hohen Gehaltsvorstellungen von Führungskräften in den USA. Da kommt es mitunter zu „peinlichen“ Realitäten – in der US-Tochtergesellschaft werden höhere Gehälter gezahlt als in der Zentrale. Oftmals löst das tiefe Emotionen aus, denn die „übliche Rangordnung“ wie sie in d

er Muttergesellschaft verstanden wird, ist in Frage gestellt.

Doch muss hier mit Vorsicht an die Materie herangegangen werden, denn unter der Berücksichtigung von Lohnnebenkosten ( Lohnsteuer, Sozialabgaben, etc. ), sind Mitarbeiter in den US-Tochtergesellschaften trotz höherem Nettogehalt häufig günstiger als ihre europäischen Kollegen.

Nichtsdestotrotz halten viele Europäer daran fest, dass das verfügbare Einkommen ihrer amerikanischen Kollegen höher ist, da auch die Lebenshaltungskosten im Durchschnitt 12% niedriger sind als z.B. in Deutschland. Bleiben wir bei dem Deutschen Beispiel, dann sieht man das Ungleichgewicht – Amerikaner haben ein 12,3% höheres Durchschnittsgehalt als die Deutschen. Bei rund 12% mehr Gehalt und weniger Kosten müssen die Amerikaner wohl mehr Geld zur Verfügung haben als die Deutschen, oder etwa nicht?

Doch so leicht ist die Rechnung nicht.

In deutschen Geschäften sind nämlich die Kaufpreise inklusive Steuern und Gebühren ausgewiesen, wohingegen in den USA nur der Nettopreis angezeigt und die Umsatzsteuer an der Kasse zugeschlagen wird.

Berücksichtigt man das, was dem Mitarbeiter direkt zukommt, dann sieht der amerikanische Mitarbeiter schon günstiger aus.

So müssen Amerikaner einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens in Bildung und in medizinische Versorgung investieren als etwa Deutsche, um gut ausgebildet bzw. adäquat abgesichert zu sein.

Auf Grund der größeren Selbstbestimmung im System muss der Amerikaner, um finanziell abgesichert zu sein, deutlich höherer Rücklagen bilden als vergleichbare Arbeitnehmer in Deutschland. In persönlichen Krisensituationen, wie z. B. bei Arbeitslosigkeit, ist die staatliche Absicherung in den USA deutlich schlechter als in Deutschland.

Zusammenfassend kann man sagen, es wird deutlich, dass der Vergleich von relativen Daten zwischen verschiedenen Märkten und kulturellen Strukturen schwer zu machen ist und deshalb auch vermieden werden sollte.

Letztendlich zählt die Wettbewerbsfähigkeit in den einzelnen Märkten, sei es in Bezug auf den Verkaufspreis, die Produktmargen oder das Gehaltsniveau.